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5 interessante Fakten über den Plattensee, die Sie noch nicht kannten

Balaton

Der Weg des Plattensees vom Wildwasser zum „ungarischen Meer“

Bis ins 19. Jahrhundert hinein war der Plattensee eher ein Problem als ein Erholungsort. Denn wegen seiner von Sümpfen geprägten Ufer und häufigen Überschwemmungen wandten sich viele Ortschaften von ihm ab. Der Kult um das „ungarische Meer” entstand erst in der Reformzeit. Der Wasserstand des Plattensees schwankte über Jahrhunderte hinweg stark. Das erschwerte die Landwirtschaft und den Verkehr an seinen Ufern. Daher galt er lange Zeit als unberechenbarer Naturfaktor, der nur Probleme verursachte. Die ab dem 19. Jahrhundert beginnenden Wasserbauarbeiten sowie die Entwicklung des Verkehrs und der Badekultur veränderten jedoch nach und nach das Bild, das man von ihm hatte. Statt des früheren „gefährlichen Wassers“ wurde es zunehmend zu einem Symbol des nationalen Stolzes und der Erholung.

In der Reformzeit nahm die Geschichte des Plattensees eine neue Wendung: Zunächst kamen die Menschen aus gesundheitlichen Gründen hierher, später dann zum Urlaub.

In der Reformzeit (1825–1848) wurde der Plattensee nach und nach zu einem angesagten Reiseziel, vor allem in Kreisen des Adels und der bürgerlichen Oberschicht. Eine Schlüsselrolle spielte dabei Balatonfüred, das bereits in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts als Kurort und gesellschaftliches Zentrum bekannt war. Der Anna-Ball, das Kurleben und die kulturellen Veranstaltungen sorgten dafür, dass der Ort zu einem wichtigen Schauplatz des gesellschaftlichen Lebens jener Zeit wurde. Balatonfüred war Ende des 18. Jahrhunderts ein bedeutender Kurort – vor allem dank seiner sauren Quellen. In der Ortschaft wurden vor allem Patienten mit Herz- und Nervensystembeschwerden behandelt. Dies war also kein klassischer Ferienort, sondern ein Kurzentrum.

 

Auch die nationale Bewegung der Reformzeit entdeckte den Plattensee als „ungarisches Meer“, welches die Schönheit der heimischen Landschaft und die nationale Identität symbolisierte. Schriftsteller:innen, Dichter:innen und Politiker:innen besuchten den See regelmäßig, wodurch sein Ansehen weiter stieg. Die Verkehrsentwicklung, insbesondere der Beginn der Dampfschifffahrt Mitte des 19. Jahrhunderts, trug ebenfalls dazu bei, dass der Plattensee zu einem immer beliebteren und leichter erreichbaren Reiseziel wurde.

Interessantes aus der Zeit des Sozialismus: Der Plattensee als strategischer Schauplatz während des Kalten Krieges

In der Zeit des Sozialismus spielte der Plattensee eine besondere Rolle. Er war einer der wenigen Orte, an denen sich Ost- und Westdeutsche relativ ungehindert treffen konnten, was während des Kalten Krieges eine seltene Gelegenheit war. Für die Ostdeutschen war Ungarn ein leicht erreichbares Reiseziel und Westdeutsche konnten ohne Visum einreisen. So entwickelte sich das Ufer des Plattensees von den sechziger Jahren bis 1989 zu einem wichtigen Treffpunkt für Familien und Freunde. Ab 1961, mit dem Bau der Berliner Mauer, betrachtete der ostdeutsche Staat die Prävention von Fluchtversuchen als seine vorrangige Aufgabe – also die Verhinderung der Flucht seiner Bürger in die westlichen Bundesstaaten. In dieser Zeit wurde die Region um den Plattensee zu einem besonders streng kontrollierten Gebiet, denn hier verbrachten zahlreiche Touristen aus Ost- und Westdeutschland gleichzeitig ihren Urlaub: Im Jahr 1975 überquerten bereits mehr als 323.000 Touristen aus der DDR die ungarische Grenze. Natürlich tauchten auch zahlreiche Geheimagent:innen in ihrer Begleitung auf: Oft gaben sie sich als junge Ehepaare aus und mischten sich mit Zelten und Campingausrüstung unter die ostdeutschen Familien, die dort ihren Urlaub verbrachten. In vertraulichen Gesprächen versuchten sie herauszufinden, wer nur zum Urlaub hierhergekommen war und wer eine Flucht in den Westen in ernsthafte Erwägung zog.

Haben Sie gewusst, dass der Wasserstand auf den beiden Seiten des Plattensees unterschiedlich hoch sein kann?

Es klingt fast unglaublich, aber es ist wahr: Bei starkem Wind kann der Unterschied im Pegelstand am Plattensee zwischen den beiden Enden des Sees bis zu 60–70 Zentimeter betragen, da der Wind das Wasser von einer Seite zur anderen „verweht“. Dieses Phänomen wird als „Umkippen des Plattensees“ bezeichnet. Wenn beispielsweise ein Zyklon über das Land fegt und der Wind am See mit einer Geschwindigkeit von 100 km/h weht, kam es bereits vor, dass die gemessenen Werte am östlichen und am westlichen Ende des Plattensees um 82 Zentimeter voneinander abwichen.

Das Eis auf dem Plattensee galt früher als wichtige Verkehrsroute – dieses Jahr konnten wir es endlich wieder genießen!

Die eisigen Winter am Plattensee waren einst Teil des Alltags: Im Großteil des 20. Jahrhunderts war er fast jedes Jahr von einer dicken Eisschicht bedeckt, auf der Schlittschuhrennen veranstaltet wurden und man mit einem Eisstuhl hin und her rutschte. Das Eis des Plattensees war früher eine offizielle Verkehrsroute: Man überquerte den See mit Fuhrwerken und sogar mit Postkutschen. Bis Ende der neunziger Jahre war es eher die Ausnahme, dass ein Winter ohne zusammenhängende Eisschicht auf dem See verging. Doch dann wurde das Eis immer seltener. Die letzte wirklich dicke Eisschicht auf dem Plattensee gab es Anfang 2017. Damals kamen die starken Frosttage früh und hielten lange an. Seitdem sind mehrere Winter vergangen, in denen der See nur teilweise und für kurze Zeit zugefroren war, was deutlich zeigt, wie sehr sich das Klima in den letzten Jahrzehnten verändert hat. Es ist interessant, dass der Wind nicht nur den Wasserpegel, sondern auch das Eis bewegen kann.

 

Die sich auftürmenden Eisplatten können entlang der Küste spektakuläre, mehrere Meter hohe Eisbarrieren bilden. Im Januar 2025 konnten wir endlich wieder den Anblick des zugefrorenen Plattensees genießen und darauf Schlittschuh laufen und Eishockey spielen. An der Südküste bedeckte 13 bis 19 Zentimeter, an der Nordküste 10 bis 15 Zentimeter dickes, stahlhartes, hochwertiges Eis die Uferbereiche. Erfahrene Eisschnellläufer sind sogar quer über den See gefahren! 

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