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Gül-Baba-Türbe

Die Gül-Baba-TürbeBudapestGroßraum Budapest

Die Gül-Baba-Türbe ist ein Denkmal aus der Zeit der türkischen Besatzung und befindet sich in der Nähe der Margaretenbrücke in Buda. Sie ist die am weitesten entfernte islamische heilige Stätte nördlich des Osmanischen Reiches und die einzige noch funktionierende muslimische Pilgerstätte auf dem Gebiet des christlichen Europas. 

Gül Baba (Vater der Rosen) wurde nach der Rose benannt, die er an seinem Turban trug. Die von ihm gezüchteten Rosen waren für ihre Schönheit weit und breit berühmt. Er brauchte diese PR tatsächlich, denn er war in größerem Umfang am Verkauf von Parfümen beteiligt. Der Überlieferung nach wurde das Gebiet um den Rózsadomb (Rosenhügel) Ende des 19. Jahrhunderts nach Gül Baba benannt, da der Derwisch an den südöstlichen Hängen des Budaer Berges einen großen stufenförmigen Rosengarten angelegt hatte. Als Mitglied eines der muslimischen Orden, des Bektaschi-Derwisch-Ordens, predigte er im Dienst einer Reihe von Sultanen die Worte des Korans. Gül Baba war ein gutherziger Derwisch von edlem Charakter, der bei der Einnahme der Budaer Burg verwundet wurde und bald darauf in der von ihm in eine Moschee (Gebetshaus) umgewandelten Kirche – der heutigen Matthiaskirche – starb. Das Grabgewölbe über seinem Grab ließ der III. Pascha von Buda errichten.

 

Als Buda 1686 von den vereinigten europäischen Truppen zurückerobert wurde, zogen sich die Türken zurück, und die Gül-Baba-Türbe ging in den Besitz des Jesuitenordens über, der den Ort nach seinem Geschmack „christlicher“ gestaltete. Nach der Auflösung des Ordens wurde das Grundstück im Jahr 1861 schließlich von dem Architekten János Wagner als Privateigentum gekauft, der es ab Mitte der 1880er Jahre über einen Zeitraum von etwa 20 Jahren zu einer als Ferienhaus genutzten Villa für seine Familie umbaute. Das nächste bedeutende Ereignis in der Geschichte des Grabmals geschah 1914, als es zum Denkmal erklärt wurde und seine Renovierung begann. Bei den Ausgrabungen unter der Leitung des Anthropologen Lajos Barhucz wurde in der Mitte der Türbe ein älteres, kräftig gebautes, 164 cm großes Skelett gefunden, das als die Überreste von Gül Baba identifiziert werden konnte. Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Türbe durch die Mauern der Wagner-Villa, die sie umgaben, vor Bombenangriffen geschützt. Die Restaurierungsarbeiten begannen Anfang der 1960er Jahre nach Entwürfen von Egon Pfannl. In den 1970er Jahren wurde auch noch eine Aussichtswarte um die Türbe gebaut. Nach fortschreitendem Verfall wurde die Türbe in den 1990er Jahren erneut renoviert. 

Seit der letzten Restaurierung im Jahr 2018 erinnert eine Grabstein-Reproduktion mit zwölf Turbanen an den türkischen Friedhof, und im Rahmen dieser Renovierung wurden auch ein Lavendel- und ein Magnoliengarten neben den Rosengärten gestaltet. Im Zuge der Renovierung wurden auch mehrere Räume im Untergeschoss der Säulenhalle als Ausstellungsbereich eingerichtet, ferner ist hier ein echtes türkisches Café in Betrieb. Neben der Geschichte von Gül Baba stellt die Ausstellung auch die Welt der Derwische und die Rolle der osmanischen Türken in Ungarn anhand einiger Objekte und Dioramen aus der damaligen Zeit vor. Das Gebäude der Türbe selbst ist achteckig, mit einer Bleikuppel überdacht und ihr Eingang richtet sich nach Osten. Ihr einziger Schmuck ist eine Reihe von Eselrückenbögen aus Ziegelsteinen, in ihrem Inneren steht ein mit einem Turban verzierter Holzsarg. Von den Aussichtsbasteien aus können Sie ein atemberaubendes Stadtpanorama genießen. Unter der südlichen Aussichts-Bastei, im oberen Garten, steht ein alter Kastanienbaum, den angeblich noch der Architekt János Wagner gepflanzt haben soll, als er seine Villa Ende des 19. Jahrhunderts baute. Da der Ort nicht nur für seinen Denkmal-Charakter und die muslimischen Rituale berühmt ist, sondern auch für seine wahrhaft schönen Rosen, lohnt sich ein Besuch im Frühling und Sommer, wenn die gepflegten Rosenstöcke blühen und duften.

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